SCHULUNGEN / SEMINARE

Für Patient/innen >>
Für Ärzt/innen >>

 

RESOURCEN & LINKS

Einsamkeit aus hausärztlicher Sicht
(71,5 KB).ppt

Ärztekammer für Wien:
www.aekwien.at >>

www.imagomundi.at >>

Publikationen zum Thema >>

 
 

Familienmedizin

Zum Begriff "Familienmedizin"
Geleitwort

Der Begriff der Familienmedizin wurde bereits 1945 von Richardson, einem bekannten Internisten und Kardiologen in New York geprägt.

Jeder Mensch ist sowohl durch Heredität als auch durch Sozietät mit seiner Familie verbunden. Diese Erkenntnis ist bereits für die ärztliche Beobachtung von Krankheitserscheinungen und von Heilungsprozessen von entscheidender Bedeutung. Der Begriff der Family Medicine hat in den USA und Kanada, in Australien und Neuseeland, in England, in Irland, in Scandinavien, in Holland und in Israel im Laufe der vergangenen vierzig Jahre die Allgemeinmedizin in einem solchen Maß geprägt, daß die beiden Begriffe oftmals synonym verwendet werden. Die Erforschung der familiären Kommunikationsstrukturen- und Prozesse ist ebenso wie die Patient-Arzt- Kommunikation seit den siebziger Jahren ein zentrales Thema der medizinischen Forschung. Wir können im englischsprachigen Kulturkreis sehen, daß Psychotherapeutische Kommunikation durchaus als integraler Bestandteil der Medizin verstanden werden kann. Insbesondere die systemische Familientherapie, aber auch andere Formen der humanistischen Psychologie, z.B. die klientenzentrierte Gesprächstherapie, und die Verhaltenstherapie erfahren zur Lehre und Praxis ärztlicher Kommunikation extensive Anwendung. In den USA unterziehen sich die General practitioners im Rahmen ihres vier bis fünfjährigen postpromotionellen Trainigs auch einer Weiterbildung in systemischer Familientherapie.

Zentrale Begriffe sind:

  • Die Familie als Lebensgemeinschaft von mindestens zwei Personen, die auch als Gesundheits- und Krankheitsgemeinschaft verstanden wird, die zunehmend als
  • zusammengesetzte Familie in Erscheinung tritt, mit zentralen, nicht hereditär verwandten Bezugspersonen,
  • typische Rollenverteilungen in der Familie, die mit der jeweiligen Phase im Lebenszyklus der Familie korrelieren,
  • psychische Krisensituationen von einzelnen Familienmitgliedern im Rahmen von Übergangsphasen der Familie, wie Heirat, Geburt eines Kindes, Einschulung, Pubertät, Midlife-Crisis, Empty nest, die unterschiedlich gemeistert werden können,
  • Triangulierung als Auswirkung einer konflikthaften Beziehung auf einen dritten, z.B. können kindliche Symptome eine durch ehelichen Konflikt angespannte Familiensituation anzeigen.
  • Symptomträger mit ernsten körperlichen und/oder seelischen Auffälligkeiten können den zentralen Platz in ihrer Familie einnehmen, wie z.B. auch die "schwarzen Schafe" der Familie.
  • Familiengeheimnisse können die Kommunikation in der Familie und die zu ihrer Umwelt sehr erschweren. Andererseits gilt die Fähigkeit, Geheimnisse zu wahren, als wesentlicher Bestandteil persönlicher Autonomie.
  • Essentielle Ressourcen der individuellen Existenz liegen in vier Bereichen: Körperliche Gesundheit, Soziales Umfeld, Arbeit/Beruf/Sinn, Finanzen. Das Auffinden verborgener Ressourcen ist auch für die familienärztliche Krisenintervention von großer Bedeutung.

Das Gewahrsein dieser wissenschaftlich erforschten Elemente der psychosozialen Realität der PatientInnen, die in größere Systeme eingebunden ist, in denen Werte prädominieren, die geschlechtsspezifisch, sozial, bildungsabhängig, religiös, ethisch, ethnisch, politisch und finanziell sehr unterschiedlich sein können, begründet eine ärztliche "neutrale Haltung" der Loyalität zu allen Familienmitgliedern gleichermaßen. Aufgrund dieser Haltung sind Wahrnehmungen, Einsichten, Reflexionen möglich zur Begründung von geplanten therapeutischen Interventionen durch ärztliches Verhalten und ärztliche Kommunikation.

Das Genogramm, der family-tree, der Familienstammbaum ist das wichtigste Erhebungsinstrument im Rahmen einer familienmedizinischen Beratung. Hereditär relevante, aber vor allem die Beziehungsmuster lassen sich durch das Genogramm grafisch sichtbar machen. Dadurch gewinnen geschulte ÄrztInnen in relativ kurzer Zeit einen Überblick und eröffnen den teilnehmenden Familienmitgliedern neue Sichtweisen ihrer familiären Situation.